Eine falsche Agenturwahl merken Sie oft erst nach Monaten. Das Geld ist dann bezahlt, die Seite bringt keine Anfragen, und die Domain läuft auf den Namen der Agentur. Dieser Ratgeber beschreibt zehn Warnsignale, jeweils mit der Frage, die Sie im Gespräch stellen können.
Wir sind selbst eine Webagentur. Deshalb stützen sich die Punkte, wo es geht, auf Quellen außerhalb der Branche: Google, die Registrierungsstelle DENIC und die Hersteller der Software.
Woran erkennen Sie eine seriöse Webagentur?
Eine seriöse Webagentur legt ein aufgeschlüsseltes Angebot vor, nennt Referenzen, die Sie selbst aufrufen können, und trägt die Domain auf Ihr Unternehmen ein.
Unseriöse Angebote verraten sich meist an einem der folgenden zehn Warnsignale. Jedes hat weiter unten einen eigenen Abschnitt.
- Ein Festpreis von wenigen hundert Euro für eine ganze Website.
- Keine Referenzen, die Sie selbst im Netz aufrufen können.
- Keine Fragen zu Ihrem Geschäft, Ihren Kunden und Ihren Wettbewerbern.
- Eine lange Mindestlaufzeit oder eine Domain, die auf die Agentur läuft.
- Kein Projektplan mit Schritten und Freigaben.
- Ein System oder eine PHP-Version ohne Sicherheitsupdates.
- Keine klare Auskunft, wer die Arbeit macht.
- Keine Regelung für Wartung und Updates nach dem Start.
- Ein Pauschalpreis ohne einzelne Posten.
- Ranking-Zusagen statt messbarer Ziele.
Ist das Angebot unrealistisch billig?
Ein Festpreis von wenigen hundert Euro reicht selten für eine Website, die Anfragen bringt, weil darin kaum Arbeitszeit steckt.
„Professionelle Website für 499 €“ klingt verlockend. Eine Website braucht aber Planung, Gestaltung, Umsetzung, Texte und die SEO-Grundlagen. Nach unserer Einschätzung sind das 40 bis 80 Arbeitsstunden. Selbst wenn Sie nur 50 Euro pro Stunde ansetzen, deckt ein Preis von 499 Euro rund zehn davon.
Für zehn Stunden Arbeit bekommen Sie kaum mehr als ein fertiges Template mit Ihrem Logo. Manchmal holt sich der Anbieter das Geld später über einen Hosting-Vertrag mit langer Laufzeit zurück.
Fragen Sie, welche Arbeit bei diesem Preis wegfällt. Welche Kosten nach dem Start dazukommen, zeigt der Ratgeber Was eine billige Website wirklich kostet. Was eine Website bei uns kostet und wovon der Preis abhängt, steht in der Übersicht zu den Kosten einer Webseite.
Kann die Agentur echte Referenzen zeigen?
Eine seriöse Agentur nennt Ihnen Projekte, die Sie selbst im Netz aufrufen können. Fehlen solche Beispiele oder sehen die Screenshots nach Stockbildern aus, ist das ein deutliches Warnsignal.
Google empfiehlt dieselbe Prüfung bei der Auswahl einer SEO-Agentur. Die erste Frage in Googles Liste lautet, ob der Anbieter frühere Arbeit und Erfolge zeigen kann. Etwas weiter unten fragt Google nach der Erfahrung in Ihrer Branche. So gehen Sie vor:
- Lassen Sie sich drei bis fünf Projekte mit Adresse nennen.
- Rufen Sie die Seiten auf, auch auf dem Handy.
- Rufen Sie einen früheren Kunden an und fragen Sie, wie die Zusammenarbeit lief.
- Prüfen Sie, ob Branche und Unternehmensgröße zu Ihnen passen. Kennt die Agentur Ihre Branche nicht, sollte sie sich sichtbar einarbeiten und zuerst Fragen zu Ihren Kunden stellen.
Fragt die Agentur nach Ihrem Geschäft?
Eine gute Agentur stellt im Erstgespräch mehr Fragen, als sie über sich erzählt.
Sie will wissen, wer Ihre Kunden sind, gegen wen Sie antreten, welche Anfragen Ihnen fehlen und was im Marketing bisher funktioniert hat. Wer ohne diese Fragen gleich Entwürfe zeigt, baut eine Seite, die gut aussieht und wenig bringt.
Hat die Agentur nach 30 Minuten vor allem über sich gesprochen, suchen Sie weiter. Google rät in seinem Leitfaden zur Auswahl eines SEO-Dienstleisters ebenfalls, darauf zu achten, ob sich der Anbieter für Ihr Geschäft interessiert. Er sollte fragen, was Ihr Unternehmen besonders macht, wer Ihre Wettbewerber sind und wie Ihre Kunden Sie finden. Für eine Webagentur gilt dasselbe.
Eine gute Agentur widerspricht auch einmal. Hält sie eine Idee für schwach, sagt sie das und begründet es.
Bindet Sie der Vertrag über Jahre?
Verträge mit 24 oder 36 Monaten Mindestlaufzeit sind ein Warnsignal, vor allem wenn Ihnen Website und Domain danach nicht gehören.
Das betrifft besonders Mietmodelle. Die Monatsrate wirkt niedrig, etwa 99 Euro. Über 36 Monate sind das 3.564 Euro, und am Ende gehört Ihnen die Seite trotzdem nicht.
Die Registrierungsstelle DENIC rät Unternehmen, die Domain auf das Unternehmen selbst einzutragen, mit vollständiger Firmierung und Rechtsform. Als Problemfall nennt sie ausdrücklich die Domain, die auf die beauftragte Web-Agentur läuft. Wollen Sie später wechseln, brauchen Sie dann die Mitwirkung der bisherigen Agentur, um die Domain umzuziehen.
Läuft die Domain auf eine GmbH, eine UG, einen Verein oder eine andere juristische Person, zeigt die Domainabfrage auf denic.de Name und Anschrift des Inhabers. Bei natürlichen Personen, dazu zählen auch Einzelunternehmer, bleiben diese Daten verborgen. Lassen Sie sich in diesem Fall von Ihrer Agentur zeigen, auf wen die Domain im Kundenkonto beim Domainanbieter eingetragen ist.
Klären Sie vor der Unterschrift:
- Auf wen wird die Domain eingetragen?
- Wem gehört die Website nach Vertragsende?
- Können Sie den Anbieter wechseln und alles mitnehmen?
- Was passiert mit Inhalten, Zugängen und Daten nach einer Kündigung?
Gibt es einen klaren Projektablauf?
Eine seriöse Agentur kann Ihnen vorab sagen, in welchen Schritten das Projekt läuft und wann Sie was freigeben.
Ein Ablauf kann zum Beispiel so aussehen:
- Gespräch über Ziele und Inhalte
- Entwurf der Startseite, danach Ihre Freigabe
- Umsetzung aller Seiten, danach Ihre Korrekturen
- Start der Seite und Übergabe aller Zugänge
Fragen Sie auch, wer Texte und Bilder liefert und bis wann. Fehlen sie, steht das Projekt, egal wie gut der Plan ist.
Kann eine Agentur den Ablauf nicht erklären oder legt sie keinen Projektplan vor, fehlt ihr vermutlich die Routine. Lassen Sie sich die Schritte mit Terminen und den Zeitpunkten Ihrer Freigaben schriftlich geben.
Setzt die Agentur auf gepflegte Technik?
Bietet Ihnen eine Agentur ein System oder eine PHP-Version an, für die es keine Sicherheitsupdates mehr gibt, sagen Sie ab.
Ein bekanntes Beispiel ist Joomla 3. Die offizielle Unterstützung endete am 17. August 2023, danach gab es Sicherheitsupdates nur noch als kostenpflichtige Verlängerung. Bei PHP, der Sprache, in der WordPress und Joomla geschrieben sind, bekommt jede Version vier Jahre lang Updates. Für PHP 8.1 endete die Unterstützung am 31. Dezember 2025, für PHP 8.2 endet sie am 31. Dezember 2026. Eine neue Seite sollte deshalb mindestens auf PHP 8.3 laufen, das noch bis zum 31. Dezember 2027 Sicherheitsupdates bekommt.
WordPress läuft laut W3Techs auf 40,2 Prozent der Websites, die der Dienst auswertet (Stand 28.09.2026). Verbreitung allein beweist keine Qualität. Sie hat aber einen praktischen Vorteil: Viele Entwickler kennen WordPress, und Sie können die Agentur wechseln, ohne die Seite neu bauen zu lassen. Ein Headless-CMS mit eigens programmiertem Frontend bindet Sie stärker an die Agentur, die es gebaut hat. Fragen Sie in diesem Fall, wer den Quellcode bekommt. Welches System zu welchem Vorhaben passt, vergleicht der Ratgeber WordPress oder Next.js.
Fragen Sie nach:
- Welches CMS wird verwendet, und warum?
- Welche PHP-Version läuft auf dem Server?
- Ist die Seite fürs Handy gebaut?
- Wird auf die Ladezeit geachtet (Core Web Vitals)?
- Ist die Seite barrierefrei nach WCAG?
- Wer spielt die Sicherheitsupdates ein, und wie oft?
Wer online an Verbraucher verkauft, muss seit dem 28. Juni 2025 in vielen Fällen das Barrierefreiheitsstärkungsgesetz beachten. Was das bedeutet, erklärt der Ratgeber Barrierefreiheit nach dem BFSG. Einen ersten Eindruck von Ihrer eigenen Seite gibt der BFSG-Check.
Sagt die Agentur, wer die Arbeit macht?
Eine seriöse Agentur sagt offen, was sie selbst macht und was sie an Subunternehmer weitergibt.
Manche Agenturen bieten alles an, von Webdesign und SEO über Google Ads und Social Media bis zu Apps, Print und Video. Breite allein ist kein Problem, es gibt Agenturen mit eigenen Teams für jeden Bereich. Das Warnsignal ist fehlende Offenheit. Gute Agenturen sagen auch, was sie nicht machen.
Fragen Sie deshalb drei Dinge. Wer setzt mein Projekt um? Was geht an Subunternehmer? Wen rufe ich an, wenn etwas nicht läuft?
Wer kümmert sich nach dem Start um die Seite?
Nach dem Start braucht eine Website laufend Updates, Backups und Sicherheitsprüfungen. Im Angebot sollte stehen, wer das übernimmt und was es im Monat kostet.
Sinnvoll ist ein Wartungsvertrag mit festem Monatspreis und kurzer Kündigungsfrist. Änderungen am Inhalt können über ein Stundenkontingent laufen. Wie ein solcher Vertrag für WordPress aufgebaut sein kann, zeigt die Seite zur WordPress-Wartung.
Steht dazu nichts im Angebot, sind Sie beim ersten defekten Plugin auf sich gestellt. Fragen Sie auch, wie Sie die Agentur im Notfall erreichen und wie schnell sie in der Regel reagiert.
Ist das Angebot nachvollziehbar aufgeschlüsselt?
Ein seriöses Angebot listet einzeln auf, was enthalten ist und was extra kostet.
Bei einem Pauschalpreis ohne Posten wissen Sie nicht, ob Texte, Bilder oder die dritte Korrekturrunde dabei sind.
Ein gutes Angebot nennt:
- die Leistungen im Einzelnen
- die Zahl der Seiten und der Korrekturrunden
- die Preise für Zusätzliches, etwa weitere Seiten oder Sonderfunktionen
- die laufenden Kosten für Hosting und Wartung
- einen Zahlungsplan, zum Beispiel 40 Prozent bei Auftrag, 30 Prozent bei Freigabe des Designs und 30 Prozent beim Start
Wie misst die Agentur den Erfolg?
Eine gute Agentur legt mit Ihnen vorab fest, woran Sie den Erfolg messen, etwa an der Zahl der Anfragen, und verspricht keine Rankings.
Messbar sind zum Beispiel Kontaktanfragen, Anrufe über die Website, Besucher aus der Google-Suche und die Conversion Rate, also der Anteil der Besucher, die anfragen. Spricht eine Agentur nur über Farben und Schriften und nie über Anfragen, fehlt ihr das Ziel.
Ein Versprechen wie „Platz 1 bei Google garantiert“ ist ein klares Warnsignal. Google schreibt dazu selbst: „No one can guarantee a #1 ranking on Google.“ Fragen Sie stattdessen, welche Ergebnisse in welchem Zeitraum realistisch sind und woran die Agentur den Erfolg misst. Beide Fragen stehen auch in Googles Liste für die Auswahl eines SEO-Dienstleisters.
Welche Fragen sollten Sie einer Webagentur stellen?
Stellen Sie jeder Agentur dieselben Fragen zu Preis, Referenzen, Vertrag, Ablauf, Technik und Betreuung, dann lassen sich die Antworten vergleichen. Die Tabelle folgt den zehn Warnsignalen.
Wie gehen Sie bei der Suche vor?
Legen Sie zuerst Ziel und Budget fest, suchen Sie dann gezielt nach Kandidaten, holen Sie drei bis fünf Angebote ein und vergleichen Sie die Leistung, nicht nur den Preis.
- Schreiben Sie auf, was die Seite leisten soll und wie viel Sie ausgeben können.
- Suchen Sie Kandidaten dort, wo Sie Ergebnisse sehen. Gefällt Ihnen die Website eines anderen Betriebs, steht die Agentur manchmal in der Fußzeile oder im Impressum. Fragen Sie außerdem Geschäftspartner, mit wem sie zufrieden waren, und lesen Sie die Rezensionen im Google-Unternehmensprofil der Agentur.
- Holen Sie drei bis fünf Angebote ein und legen Sie sie nebeneinander.
- Stellen Sie allen Agenturen die Fragen aus der Tabelle oben.
- Prüfen Sie die Referenzen und rufen Sie einen früheren Kunden an.
- Achten Sie auf den ersten Eindruck, etwa darauf, wie schnell eine Antwort kommt und wie die eigene Website der Agentur gemacht ist.
- Achten Sie darauf, ob Sie die Antworten verstehen. Erklärt die Agentur im Erstgespräch nur mit Fachbegriffen, wird sie Ihnen auch später schwer sagen können, was sie an Ihrer Seite ändert.
Was nehmen Sie ins Erstgespräch mit?
Nehmen Sie die Tabelle oben mit und stellen Sie jeder Agentur dieselben Fragen, auch uns.
Die meisten Warnsignale erkennen Sie an drei Punkten: auf wen die Domain läuft, was einzeln im Angebot steht und wer die Arbeit macht. Lassen Sie sich die Antworten schriftlich geben, dann können Sie die Angebote in Ruhe vergleichen.