Ein Website-Relaunch ersetzt Struktur, Design und Technik einer bestehenden Seite in einem Schritt. Am meisten Schaden richten dabei geänderte URLs an, die niemand umleitet. Dann landen Besucher, Backlinks und Google auf Fehlerseiten.
Unten folgen die sieben Schritte, die Prüfliste für den Starttag und drei Fehler, die wir beim Umbau dieser Website mit 1.239 Adressen gefunden haben.
Wann ist ein Website-Relaunch wirklich notwendig?
Ein Relaunch ist notwendig, wenn sich die Technik nicht mehr pflegen lässt oder mehrere der folgenden Anzeichen zusammenkommen. Bei einer einzelnen Schwäche reicht oft eine gezielte Überarbeitung.
- Die Technik ist nicht mehr pflegbar. Updates für CMS, Theme oder Plugins bleiben aus oder legen die Seite lahm. Die PHP-Version bekommt keine Sicherheitsupdates mehr. Eine kleine Textänderung dauert Tage statt Minuten.
- Die Seite ist nicht für Mobilgeräte gebaut. In Deutschland kamen im August 2026 laut Statcounter 50,9 % der Seitenaufrufe von Mobilgeräten. Google verwendet für Indexierung und Ranking die mobile Version einer Seite.
- Die Seite lädt langsam. Google empfiehlt für den Largest Contentful Paint, also bis das größte sichtbare Element erscheint, höchstens 2,5 Sekunden, gemessen an 75 % der Seitenaufrufe. Wo Ihre Seite steht, zeigt der Ladezeit-Check.
- Besucher kommen, fragen aber nicht an. Dann liegt das Problem meist auf der Seite selbst, etwa bei einem versteckten Kontaktweg oder einem zu langen Formular.
- Ihr Angebot hat sich verändert. Neue Leistungen, eine neue Zielgruppe oder ein neues Erscheinungsbild passen nicht mehr in die alte Struktur.
- Die Rankings stagnieren trotz Arbeit an den Inhalten. Dann lohnt ein Blick in den Bericht zur Seitenindexierung der Search Console. Werden wichtige Seiten nicht indexiert oder steht dieselbe Seite unter mehreren Adressen, liegt das Problem eher in der Technik.
Treffen zwei oder mehr Punkte zu, lohnt es sich, einen Relaunch durchzurechnen.
Wie läuft ein Website-Relaunch ab?
Ein Relaunch läuft in sieben Schritten ab. Sie erfassen den Bestand, legen Ziele fest, planen die Weiterleitungen, überarbeiten die Inhalte, gestalten, setzen technisch um und testen vor dem Start. Die Reihenfolge hat einen Grund, denn der Weiterleitungsplan baut auf der Bestandsliste aus Schritt 1 auf.
1. Bestand erfassen und auswerten
Legen Sie zuerst eine Liste aller bestehenden URLs an, mit Klicks und Einblendungen aus dem Leistungsbericht der Search Console und den eingehenden Links aus deren Bericht „Links“. Ein Crawler wie Screaming Frog findet auch Seiten, die im Menü längst fehlen. Aus dieser Liste wird in Schritt 3 der Weiterleitungsplan.
Danach geht es darum, was die alte Seite leistet und wo sie Besucher verliert. Die Search Console zeigt, welche Seiten für welche Suchanfragen erscheinen und angeklickt werden. Google Analytics oder ein anderes Statistikwerkzeug zeigt, wo Besucher abspringen. Heatmap-Werkzeuge wie Hotjar ergänzen Scrolltiefe und Klicks, brauchen in der Regel aber eine Einwilligung im Cookie-Banner. Am wichtigsten ist die Frage, welche Seiten heute zu Anfragen führen. Diese Seiten dürfen beim Umbau nicht schlechter werden.
2. Ziele mit Ausgangswert festlegen
Legen Sie vor dem Umbau fest, woran Sie den Erfolg messen, und notieren Sie den heutigen Wert. Ohne Ausgangswert lässt sich hinterher nicht sagen, ob der Relaunch etwas gebracht hat. Die Zahlen in diesen Beispielen sind ausgedacht und zeigen nur die Form. Richtwerte sind sie nicht.
- Anfragen über das Formular von heute 6 auf 10 im Monat, gemessen sechs Monate nach dem Start
- Klicks aus der Google-Suche auf die Leistungsseiten heute 120 im Monat, drei Monate nach dem Start mindestens wieder so viele
- Largest Contentful Paint auf dem Smartphone im Labortest von heute 4,1 auf höchstens 2,5 Sekunden
3. SEO-Konzept und Weiterleitungsplan
Der Weiterleitungsplan ist eine Tabelle, die jeder alten URL die neue URL mit demselben Inhalt zuordnet. Google empfiehlt dauerhafte Weiterleitungen mit dem Statuscode 301 oder 308, und zwar direkt auf das endgültige Ziel statt über mehrere Stationen. Seiten ohne passenden Nachfolger leiten Sie nicht einfach auf die Startseite um. Davon rät Google ab, wenn viele alte URLs auf ein einzelnes unpassendes Ziel zeigen, weil das Nutzer verwirrt und als Soft-404 gewertet werden kann. Solche Adressen antworten besser mit 404 oder 410.
Zum SEO-Konzept für den Relaunch gehören außerdem diese Punkte:
- Titel und Beschreibungen. Title-Tags und Meta-Descriptions für jede neue Seite prüfen, besonders dort, wo Inhalte zusammengelegt werden.
- Interne Links. Menü, Fließtext und Footer verlinken direkt die neuen Adressen.
- Canonical-Tags. Jede neue Zieladresse nennt sich selbst als kanonische Adresse. So weiß Google bei Varianten mit Parametern oder Schrägstrich am Ende, welche URL gemeint ist.
- Sitemaps. Legen Sie eine XML-Sitemap mit den neuen URLs an und reichen Sie sie in der Search Console ein. Für die Zeit des Umzugs empfiehlt Google, zusätzlich eine Sitemap mit den alten URLs einzureichen. Dort sinkt die Zahl der indexierten Seiten mit der Zeit auf null, und daran sehen Sie, wie weit der Umzug ist. Warnungen wegen Weiterleitungen in dieser alten Sitemap sind normal.
4. Inhalte überarbeiten
Übernehmen Sie Texte nicht ungeprüft. Behalten Sie, was Besucher und Anfragen bringt, überarbeiten Sie den Rest und schreiben Sie neue Seiten nur für Fragen, die Ihre Kunden tatsächlich stellen. Veraltete Seiten dürfen weg, aber nie ohne Eintrag im Weiterleitungsplan.
Prüfen Sie dabei auch, was hinter einem Formular versteckt ist. Datenblätter, Preislisten oder Zertifikate, die Besucher ohnehin brauchen, sollten sich ohne Anmeldung öffnen lassen.
5. Design und Nutzerführung
Das Design kommt erst jetzt, weil es auf der Struktur aus den ersten vier Schritten aufbaut. Achten Sie auf diese Punkte:
- Mobil zuerst. Entwerfen Sie jede Seite zuerst für das Smartphone und erweitern Sie dann für größere Bildschirme.
- Klare Rangfolge. Oben auf der Seite muss ein Besucher sofort sehen, was Sie anbieten und für wen.
- Ein Ziel je Seite. Jede Seite braucht eine erkennbare nächste Handlung, etwa Anruf, Formular oder Terminbuchung.
- Barrierefreiheit. Das Barrierefreiheitsstärkungsgesetz (BFSG), die deutsche Umsetzung des European Accessibility Act, gilt für bestimmte Dienstleistungen, die nach dem 28. Juni 2025 für Verbraucher erbracht werden. Auf Websites betrifft es vor allem Angebote, über die Verbraucher online Verträge abschließen, etwa Shops und Buchungsstrecken. Kleinstunternehmen mit weniger als zehn Beschäftigten und höchstens 2 Mio. € Jahresumsatz oder Jahresbilanzsumme sind bei Dienstleistungen ausgenommen. Ob es Sie betrifft, klärt der Ratgeber zum BFSG. Einen ersten Eindruck gibt der BFSG-Check.
6. Technisch umsetzen
- Ladezeit. Messen Sie schon auf der Testumgebung, etwa mit Lighthouse in den Chrome-Entwicklertools, und achten Sie dort vor allem auf LCP und CLS. Die echten Core Web Vitals beruhen auf Messungen bei Chrome-Nutzern. Für die neuen Seiten gibt es sie erst, wenn diese eine Weile Besucher hatten.
- Sicherheit. Die Seite läuft über HTTPS, Formulare haben einen Spamschutz. System und Plugins bekommen auch nach dem Start Updates, bei WordPress etwa über einen Wartungsvertrag.
- System. Wählen Sie das System danach, wer die Inhalte später pflegt und welche Funktionen nötig sind. Die Unterschiede zwischen einem klassischen CMS und einem Framework wie Next.js stehen im Vergleich WordPress oder Next.js.
- Hosting. Wählen Sie einen Anbieter, der Ihnen einen Auftragsverarbeitungsvertrag gibt, möglichst mit Servern in der EU.
7. Testen und starten
Testen Sie vor dem Start auf mehreren Geräten und in mehreren Browsern, am besten auch mit zwei oder drei Personen, die die Seite nicht kennen. Sobald die Weiterleitungen aktiv sind, lassen Sie den Crawler die alte URL-Liste noch einmal abarbeiten und prüfen, wo jede Adresse landet.
