WordPress ist ein fertiges Redaktionssystem (CMS), auf dem laut W3Techs 40,2 % aller Websites laufen. Next.js ist ein Werkzeug, mit dem Entwickler eine Website auf Basis von React programmieren. Ein CMS bringt es nicht mit. Welches von beiden passt, hängt vor allem davon ab, wer die Seite nach dem Start pflegt.
Wir bauen Websites mit WordPress und mit Next.js und verdienen an beiden. Diese Website hier läuft auf Next.js. Wo es Zahlen gibt, nennen wir die Quelle. Wo wir werten, steht das dabei.
Was kann WordPress, und wo liegen seine Schwächen?
WordPress ist leicht zu bedienen und hat für fast jede Funktion ein fertiges Plugin, braucht dafür aber regelmäßige Updates von Kern, Theme und jedem einzelnen Plugin.
WordPress begann 2003 als Blog-Software und ist heute das meistgenutzte Content-Management-System. Laut W3Techs laufen 40,2 % aller Websites weltweit darauf. Unter den Seiten mit erkennbarem CMS sind es 58,7 % (abgerufen am 28.09.2026). Das spricht dafür:
- Großes Angebot an Erweiterungen. Das offizielle Verzeichnis führt über 73.000 kostenlose Plugins und 8.642 Themes (Stand 28.09.2026).
- Einfache Bedienung. Texte, Bilder und neue Seiten legen Sie ohne Programmierkenntnisse an.
- Große Community. Für fast jedes Problem findet sich eine Anleitung.
- Schneller Start. Technisch ist eine Seite mit fertigem Theme in wenigen Tagen aufgesetzt. Wie lange es bis zum Start dauert, hängt meist an Texten und Bildern.
- Niedrige Einstiegskosten. WordPress selbst ist Open Source und kostenlos. Hosting gibt es ab wenigen Euro im Monat.
Nachteile von WordPress
Die Nachteile hängen fast alle an derselben Stelle, den Plugins.
- Sicherheit. 2025 wurden im WordPress-Umfeld 11.334 neue Schwachstellen gemeldet. 91 % davon steckten in Plugins, im Kern selbst waren es 6, alle mit geringer Priorität (Patchstack). Updates und eine Sicherheitsprüfung gehören deshalb zum Pflichtprogramm.
- Ladezeit. WordPress baut eine Seite bei jedem Aufruf mit PHP und Datenbank neu zusammen, sofern kein Seiten-Cache davorsteht. Jedes Plugin kann außerdem eigene Skripte und Stylesheets auf jeder Seite mitladen. SEO-Plugins wie Yoast kümmern sich um Titel, Beschreibungen und Sitemap, an den Ladewerten ändern sie nichts. Mit Page Buildern und vielen Plugins wird es schwerer, gute Core Web Vitals zu erreichen.
- Abhängigkeit von Fremdcode. Viele Funktionen kommen aus Plugins verschiedener Hersteller. Wird eines nicht mehr gepflegt, müssen Sie Ersatz suchen.
- Wartung. Kern, Theme und Plugins brauchen regelmäßig Updates. Dass ein Update ein anderes Plugin stört, kommt vor.
Was ist Next.js, und was spricht dafür?
Next.js ist ein Framework der Firma Vercel, mit dem Entwickler Websites auf Basis von React programmieren. Seine Stärke sind Seiten, die schnell laden und wenig Angriffsfläche bieten.
Next.js kann Seiten beim Bauen fertig erzeugen (statisch), bei jedem Aufruf auf dem Server erzeugen oder beides mischen. Betreiben lässt es sich laut offizieller Dokumentation als Node.js-Server, als Docker-Container, als statischer Export oder über Adapter für einzelne Plattformen.
- Ladezeit. Statisch erzeugte Seiten liegen fertig bereit. Mit den eingebauten Bausteinen liefert Next.js Bilder passend zur Bildschirmgröße aus und bindet Google-Schriften vom eigenen Server ein, statt sie bei Google zu laden. Gute Core Web Vitals sind so leichter erreichbar. Sicher sind sie damit nicht, denn am Ende entscheidet die Umsetzung.
- Kleinere Angriffsfläche. Eine statisch ausgelieferte Next.js-Seite hat kein CMS-Backend, keine öffentliche Login-Maske und keine Plugins fremder Hersteller. Sobald Formulare, eine Datenbank oder Server-Funktionen dazukommen, läuft auch hier Servercode. Die Angriffsfläche ist dann kleiner und besser zu überblicken, aber nicht null.
- Suchmaschinen. Anders als eine reine React-App liefert Next.js fertiges HTML aus, genau wie WordPress. Titel, Beschreibungen und strukturierte Daten legt der Entwickler je Seite im Code fest, ein SEO-Plugin braucht es dafür nicht.
- Freiheit im Aufbau. Datenstruktur, Gestaltung und Funktionen sind nicht an ein Theme gebunden.
- Skalierung. Statische Seiten lassen sich ohne Umbau über ein CDN ausliefern. Dann trägt nicht ein einzelner Server die Last, wenn viele Besucher gleichzeitig kommen.
Nachteile von Next.js
Die meisten Nachteile kommen daher, dass Next.js ein Werkzeug für Entwickler ist.
- Nur mit Entwickler. Ohne Kenntnisse in React und JavaScript kommen Sie nicht weit.
- Bindung an den Entwickler. Den Code kennt zunächst nur, wer ihn geschrieben hat. Lassen Sie sich Zugang zum Repository und eine kurze Beschreibung übergeben.
- Höhere Entwicklungskosten. Eine programmierte Seite macht mehr Arbeit als ein WordPress mit fertigem Theme und kostet deshalb mehr.
- Inhaltspflege. Ohne zusätzliches Redaktionssystem (Headless CMS) können Sie Texte nicht selbst ändern. Dafür gibt es Redaktionssysteme wie Strapi oder Sanity, oder der Entwickler baut ein eigenes Admin-Panel.
- Hosting. Sobald die Seite eigenen Servercode braucht, etwa für Formulare, die Next.js selbst verarbeitet, muss das Hosting Node.js ausführen können. Ein einfaches PHP-Webhosting reicht dann nicht.
- Keine Plugin-Bibliothek. Funktionen werden programmiert oder aus npm-Paketen zusammengesetzt.
Wie schneiden WordPress und Next.js in acht Kategorien ab?
Next.js liegt bei Ladezeit, Sicherheit, Suchmaschinen und Skalierung vorn, WordPress bei der Bedienung für Redakteure, den Kosten einfacher Projekte und der Zeit bis zum Start. Bei der Wartung gibt es keinen klaren Sieger. Die Wertung ist unsere Einschätzung, begründet jeweils im Absatz.
Bei der Ladezeit liegt Next.js vorn, weil eine statisch erzeugte Seite beim Aufruf weder Datenbank noch PHP braucht. Das fertige Dokument liegt bereit und ist ohne Rechenzeit sofort da, bei CDN-Hosting sogar auf Servern nahe am Besucher. Eine dynamisch erzeugte WordPress-Seite wird bei jedem Aufruf neu zusammengebaut. Google setzt die Grenze für einen guten LCP, also die Zeit, bis der größte Inhalt sichtbar ist, bei 2,5 Sekunden. Eine statische Seite erreicht sie leichter als eine WordPress-Seite, die PHP, Datenbank und Page Builder durchläuft. Sicher ist der Wert in keinem der beiden Fälle, er hängt an Hosting, Bildern und Skripten. Welche Maßnahmen wirken, steht im Ratgeber Pagespeed verbessern.
2. Sicherheit
Bei der Sicherheit hat Next.js die kleinere Angriffsfläche, weil keine Plugins fremder Hersteller mit Zugriff aufs Backend dazugehören. Bei WordPress entstehen die meisten Lücken nicht im Kern, sondern in Plugins und Themes. Laut Patchstack waren 46 % der 2025 gemeldeten Schwachstellen bei Veröffentlichung noch nicht vom Entwickler behoben. Bei Next.js tragen Sie die Verantwortung für Ihren eigenen Servercode und für die npm-Pakete. Das sind mehr, als man denkt. In der Paketliste dieser Website stehen 33 Pakete, installiert werden mit ihren Abhängigkeiten mehrere hundert. Frei von Lücken ist auch Next.js nicht. Am 3. Dezember 2025 wurde in den React Server Components, die Next.js mit dem App Router nutzt, eine Lücke mit der Höchstwertung CVSS 10.0 bekannt (CVE-2025-55182, „React2Shell“). Sie erlaubte das Ausführen fremden Codes auf dem Server. Laut AWS gab es innerhalb von Stunden nach der Veröffentlichung erste Angriffsversuche. Für das erste geplante Sicherheitsrelease im Juli 2026 kündigte das Next.js-Team Fixes für 4 schwere und 5 mittelschwere Lücken an.
3. SEO
Bei SEO liegt Next.js nur knapp vorn. Gute Ladewerte sind leichter zu erreichen, möglich sind sie mit beiden. Google nutzt die Core Web Vitals in seinen Ranking-Systemen, stellt die Relevanz des Inhalts aber darüber. Gute Werte sichern laut Google keinen Spitzenplatz. Ein WordPress mit schlankem Theme und wenigen Plugins kann dieselben Werte erreichen wie eine Next.js-Seite. Der Unterschied liegt im Aufwand, nicht in der Möglichkeit.
4. Benutzerfreundlichkeit für Redakteure
Für Redakteure ist WordPress klar einfacher, weil der Block-Editor (Gutenberg) ohne Zusatzsystem mitkommt. Damit legen auch Mitarbeiter ohne Technikkenntnisse Seiten und Beiträge an. Bei Next.js brauchen Sie dafür ein Headless CMS oder ein eigens gebautes Admin-Panel.
5. Entwicklungskosten
Einfache Projekte sind mit WordPress günstiger, weil eine Standardseite auf Theme-Basis weniger Arbeit macht. Bei eigenen Funktionen und individueller Gestaltung schrumpft der Vorteil, weil auch ein WordPress-Theme dann umgebaut oder neu geschrieben werden muss. Was ein WordPress-Einstieg und eine individuell gebaute Seite kosten, lesen Sie unter Kosten einer Webseite.
6. Wartung
Bei der Wartung gewinnt keines der beiden eindeutig. Bei WordPress fallen viele kleine Updates an. Kleinere Kern-Updates spielt WordPress seit Version 3.7 standardmäßig selbst ein, Theme, Plugins und PHP-Version zieht jemand nach und prüft danach, ob alles noch funktioniert. Bei Next.js kommen die Updates seltener. Der Wechsel auf eine neue Hauptversion ist aber etwa alle ein bis zwei Jahre Entwicklerarbeit, und auch npm-Pakete und Node.js haben ein Supportende. Die Fristen stehen im nächsten Abschnitt.
7. Skalierbarkeit
Mit vielen gleichzeitigen Besuchern kommt Next.js besser zurecht, aus demselben Grund wie bei der Ladezeit. Ohne Cache erzeugt WordPress jede Seite bei jedem Aufruf neu, und bei großem Andrang wird der Server zum Engpass. Mit Seiten-Cache oder CDN davor schrumpft der Unterschied. Statische Next.js-Seiten lassen sich ohne Umbau über ein CDN ausliefern.
8. Zeit bis zum Start
Bei Standardanforderungen ist WordPress schneller online, weil ein fertiges Theme schneller aufgesetzt ist als eine programmierte Seite. Wie lange ein Projekt tatsächlich dauert, hängt aber oft weniger an der Technik als daran, wann Texte, Bilder und Freigaben kommen.
Wie lange bekommen PHP, Node.js und Next.js Sicherheitsupdates?
PHP 8.2 bekommt nur noch bis 31.12.2026 Sicherheitsfixes, Next.js 15 bis 21.10.2026. Wer darauf läuft, muss bis dahin aktualisieren. Für WordPress selbst gibt es kein zugesagtes Datum, unterstützt ist nur die neueste Version.
Wer WordPress einsetzt, braucht für diese Fristen einen Plan. Was ein Wartungsvertrag dafür abdecken sollte, steht auf der Seite zur WordPress-Wartung.
Lassen sich Next.js und einfache Inhaltspflege verbinden?
Ja, mit einem Headless CMS. Next.js liefert die Seiten aus, und die Inhalte pflegen Sie in einem getrennten Redaktionssystem.
Das Redaktionssystem hat dann keine eigene Website, sondern gibt Texte und Bilder nur an Next.js weiter. Infrage kommen Strapi oder Sanity, und auch WordPress selbst lässt sich über seine REST-API so als reines Redaktionssystem nutzen. Werden die Seiten beim Bauen statisch erzeugt, bekommen Sie die Ladezeit einer statischen Seite und trotzdem eine Oberfläche, in der Mitarbeiter Texte ändern können. Holt Next.js die Inhalte dagegen bei jedem Aufruf aus dem CMS, hängt die Ladezeit auch an diesem. Der Preis sind in beiden Fällen zwei Systeme statt einem, die beide gepflegt werden wollen.
Dieser Aufbau lohnt sich besonders bei Industrieunternehmen, deren Produktdaten ohnehin im ERP oder in einer Produktdatenbank (PIM) liegen und die zweisprachig auftreten. Die Website holt die Daten dann aus diesen Systemen, statt sie doppelt zu pflegen.
Wann passt WordPress, wann Next.js?
WordPress passt, wenn Sie selbst oft Inhalte pflegen und das Budget knapp ist. Next.js passt, wenn Ladezeit und eigene Funktionen zählen und ein Entwickler die Seite dauerhaft betreut.
WordPress passt für
- kleine Unternehmen mit begrenztem Budget
- Seiten mit Blog oder News, die mehrmals im Monat neue Beiträge bekommen
- Projekte, die in wenigen Wochen online sein müssen
- Websites, die Mitarbeiter ohne Entwickler pflegen sollen
- einfache Onlineshops mit WooCommerce
Next.js passt für
- Landingpages für Google-Anzeigen, bei denen jeder Besucher bezahlt ist und nicht warten soll
- Seiten mit vielen gleichzeitigen Besuchern
- Websites mit eigenen Funktionen wie Rechnern, Konfiguratoren oder Kundenportalen
- Auftritte mit Aufbau und Funktionen, die kein fertiges Theme hergibt
- Unternehmen, die keine lange Plugin-Liste warten wollen
Drei Fragen helfen bei der Entscheidung.
- Wer ändert die Inhalte? Wenn Sie oder Ihre Mitarbeiter mehrmals im Monat Texte ändern, brauchen Sie WordPress oder ein Headless CMS.
- Wer macht die Updates? Bei WordPress fallen sie ständig an. Ohne jemanden, der sie einspielt und danach prüft, wird die Seite zum Sicherheitsrisiko.
- Brauchen Sie Funktionen, die es als Plugin nicht gibt? Dann ist eine programmierte Seite oft der kürzere Weg.
Legen Sie die Technik am Anfang fest. Bei einem späteren Wechsel bauen Sie Design und Funktionen neu. Mitnehmen lassen sich nur die Inhalte.