In guten Monaten ist der Kalender voll, in ruhigen fehlen die Aufträge. Empfehlungen bleiben wichtig, aber sie lassen sich nicht steuern. Suchanzeigen bei Google schon. Sie schalten sie ein, wenn Luft im Kalender ist, und sehen nach einigen Wochen, was eine Anfrage gekostet hat.
Unten steht, wie Sie die erste Kampagne auf Ihr Gebiet begrenzen, welche Suchbegriffe sich lohnen und wie Sie vorher ausrechnen, ob sich Anzeigen für Ihr Gewerk tragen. Die Rechnung legt alle Annahmen offen. Setzen Sie Ihre eigenen Zahlen ein.
Warum passen Suchanzeigen so gut zum Handwerk?
Suchanzeigen erreichen Menschen in dem Moment, in dem sie einen Handwerker brauchen und danach suchen.
Wer „Dachdecker Notdienst Stuttgart“ oder „Elektriker in der Nähe“ eingibt, hat einen Schaden oder ein Vorhaben. Und zwar jetzt. Bei Flyern, Zeitungsanzeigen oder Facebook-Werbung hoffen Sie dagegen, dass sich jemand später an Sie erinnert.
Zwei Zahlen zur Einordnung, beide aus Erhebungen in den USA.
- 97 Prozent der Verbraucher lesen Bewertungen über lokale Unternehmen (BrightLocal, Local Consumer Review Survey 2026, 1.002 Befragte). Ihre Google-Bewertungen gehören deshalb auch auf die Seite, auf die Ihre Anzeige führt.
- Im Schnitt der Handwerks- und Hausdienstleister wurden 7,33 Prozent der Anzeigenklicks zu einer Anfrage. Je Gewerk liegen die Werte weit auseinander, von 10,8 Prozent bei Malern über Elektriker mit 9,1 Prozent und Sanitär mit 7,6 Prozent bis zu 3,7 Prozent bei Dachdeckern und Dachrinnenbetrieben. Grundlage sind 3.211 Suchkampagnen in den USA von April 2024 bis März 2025 (LocaliQ, Home Services Search Ad Benchmarks).
Eine vergleichbar offene Auswertung je Gewerk für Deutschland haben wir nicht gefunden. Nehmen Sie die US-Werte als Hinweis darauf, wie stark sich die Gewerke unterscheiden, nicht als Prognose für Ihren Betrieb.
Wie baut ein Handwerksbetrieb seine erste Google-Ads-Kampagne auf?
Starten Sie mit einer Suchnetzwerk-Kampagne für die Leistung, die am meisten einbringt, begrenzt auf Ihr Einsatzgebiet. Weitere Leistungen bekommen später je eine eigene Kampagne, damit Sie Budget und Ergebnis getrennt sehen.
Mit welchem Kampagnentyp starten?
Wählen Sie beim Anlegen „Suchnetzwerk“. Performance Max verteilt Ihre Anzeigen auf viele Kanäle von Google, von YouTube bis Gmail. Für den Start wollen Sie wissen, dass jeder Klick aus der Suche kommt. Suchanzeigen erscheinen über oder unter den Google-Suchergebnissen, also dort, wo Kunden gerade suchen.
Sehen Sie sich dabei die Einstellung „Werbenetzwerke“ an. Suchnetzwerk-Partner sind voreingestellt, die Anzeige läuft dann auch auf anderen Suchseiten, die mit Google zusammenarbeiten. Ist zusätzlich das Displaynetzwerk angehakt, fließt ein Teil des Budgets in Bannerwerbung auf fremden Webseiten. Für den Start nehmen Sie beide Haken heraus.
Einsatzgebiet festlegen
Legen Sie in der Standort-Ausrichtung die Orte oder einen Umkreis fest, in dem Sie tatsächlich arbeiten. Ohne diese Grenze zahlen Sie für Klicks aus ganz Deutschland, auch wenn Sie nur 30 Kilometer um Ihre Werkstatt fahren.
Danach kommt die Standortoption. Google empfiehlt für Suchkampagnen „Präsenz oder Interesse“. Dann kann die Anzeige auch Menschen erreichen, die sich woanders befinden und nur Interesse an Ihrer Region zeigen. Für einen Notdienst sind solche Klicks wertlos. Stellen Sie deshalb auf „Präsenz“ um. Dann sehen die Anzeige Menschen, die sich im Gebiet befinden oder regelmäßig dort aufhalten. Ganz scharf ist auch diese Grenze nicht. Google schreibt selbst, dass die Standortsignale nicht in jedem Fall zu 100 Prozent genau sind.
Eine Kampagne je Leistung
Ein Elektrobetrieb käme mit der Zeit etwa auf vier Kampagnen.
- Elektroinstallation im Neubau
- Elektriker-Notdienst
- Smart-Home-Installation
- E-Ladestationen
In jede Kampagne kommen Anzeigengruppen mit eng verwandten Suchbegriffen. So sehen Sie, ob der Notdienst Anfragen bringt und die Smart-Home-Kampagne nur Geld kostet. Dann verschieben Sie das Budget. Mit kleinem Budget fangen Sie aber mit einer Kampagne an. Vier Kampagnen teilen sich sonst so wenige Klicks, dass lange keine auswertbare Zahl entsteht.
Welche Suchbegriffe sollten Handwerker buchen?
Buchen Sie Suchbegriffe, die eine konkrete Leistung nennen, und schließen Sie alles aus, was nach Job, Anleitung oder „gratis“ klingt.
Die Leistung zählt, der Ort ist ein Zusatz
Den Ort müssen Sie nicht in jedes Keyword schreiben. Ist die Kampagne auf Ihr Einsatzgebiet begrenzt, zeigt Google die Anzeige bei „Badsanierung“ ohnehin nur Menschen in diesem Gebiet. Keywords mit Ortsnamen lohnen sich zusätzlich, weil sie zeigen, wer gezielt in Ihrer Stadt sucht. So könnten Suchbegriffe für Betriebe im Rems-Murr-Kreis aussehen.
- Dachsanierung Waiblingen
- Elektriker Notdienst Backnang
- Heizungswartung Schorndorf
- Badsanierung Kosten Fellbach
- Einbauschrank Schreiner Stuttgart
Keyword-Optionen richtig einsetzen
Google nennt die Match-Typen auf Deutsch Keyword-Optionen. Es gibt drei davon.
- Genau passend, geschrieben als [Dachdecker Stuttgart]. Die Anzeige kann bei Suchanfragen erscheinen, die dieselbe Bedeutung oder Absicht haben wie Ihr Suchbegriff. Das gibt die meiste Kontrolle, dafür weniger Suchanfragen.
- Passende Wortgruppe, geschrieben als "Dachdecker Stuttgart". Die Anzeige kann bei Suchanfragen mit ähnlicher Bedeutung erscheinen. Ein Mittelweg.
- Weitgehend passend, ohne Zeichen. Die Anzeige kann auch bei Suchanfragen erscheinen, die nur einen Bezug zu Ihrem Suchbegriff haben. Google stellt diese Option standardmäßig ein. Sie bringt die meisten Klicks und die meisten unpassenden.
Wir raten Handwerksbetrieben, mit genau passend und passender Wortgruppe zu starten. Weitgehend passend lohnt sich erst mit einer langen Liste ausgeschlossener Begriffe und wenn jemand den Suchbegriffbericht jede Woche liest.
Auszuschließende Keywords
Auszuschließende Keywords verhindern, dass Ihre Anzeige bei Suchen erscheint, die nie zu einem Auftrag führen. Folgende Begriffe gehören fast immer auf die Liste.
- „kostenlos“, „gratis“, „umsonst“. Wer so sucht, will meist nichts bezahlen.
- „Ausbildung“, „Praktikum“, „Lehrstelle“. Hier suchen Bewerber, keine Kunden.
- „selber machen“, „DIY“, „Anleitung“. Heimwerker wollen es allein schaffen.
- „Gehalt“, „Stundenlohn“, „Verdienst“. Das sind Fragen von Beschäftigten.
- „Baumarkt“, „Ersatzteil“, „gebraucht“. Hier sucht jemand Material, keinen Betrieb.
Google warnt selbst vor zu vielen Ausschlüssen, weil die Anzeige dann auch passende Kunden verpasst. Ergänzen Sie die Liste deshalb aus dem Suchbegriffbericht, nicht auf Vorrat.
Wie schreiben Sie eine Anzeige, die angeklickt wird?
Eine gute Handwerker-Anzeige wiederholt den Suchbegriff, nennt einen Vorteil, den Sie einhalten können, und sagt, was der Kunde als Nächstes tun soll.
Eine responsive Suchanzeige besteht aus bis zu 15 Anzeigentiteln mit je 30 Zeichen und zwei bis vier Beschreibungen mit je 90 Zeichen. Google setzt daraus bei jeder Suche eine Anzeige zusammen. Worauf es beim Schreiben ankommt, steht hier.
- Der Suchbegriff gehört in den Titel. Wer „Dachdecker Stuttgart“ sucht, sollte „Dachdecker in Stuttgart“ lesen.
- Ein Vorteil, den Sie halten. „Festpreis im Angebot“ oder „Notdienst auch am Wochenende“ sagt mehr als „Qualität vom Profi“. Schreiben Sie nur, was stimmt. Eine Zusage wie „in 30 Minuten bei Ihnen“ ist eine Werbeaussage, an der man Sie messen kann.
- Etwas, das Vertrauen schafft. Meisterbetrieb, Innungsmitglied, Jahre im Gewerk, Zahl Ihrer Google-Bewertungen. Alles, was Sie belegen können.
- Eine klare Aufforderung. „Jetzt anrufen“ oder „Termin für die Besichtigung anfragen“.
- Assets, früher Anzeigenerweiterungen. Anruf-, Standort-, Sitelink- und Zusatzinformationen-Assets machen die Anzeige größer. Das Hinzufügen kostet nichts, bezahlt wird weiter der Klick. Bewertungssterne können Sie nicht selbst eintragen. Die Verkäuferbewertungen in Anzeigen sind für Onlinehändler gedacht. Sie stammen aus Google Kundenrezensionen oder von Bewertungsportalen wie Trustpilot, nicht aus Ihrem Unternehmensprofil. Für einen Handwerksbetrieb ohne Onlineshop kommen sie praktisch nicht in Frage. Ihre Google-Bewertungen gehören deshalb auf die Zielseite.
Was muss die Zielseite leisten?
Schicken Sie den Klick auf eine Seite zur beworbenen Leistung, nicht auf die Startseite, und setzen Sie dort die Telefonnummer ganz nach oben.
Außerdem gehören darauf Ihr Einsatzgebiet, Belege für gute Arbeit, ein kurzes Formular und eine Seite, die am Handy schnell lädt.
- Die Telefonnummer steht oben und ist am Handy antippbar. Viele Kunden rufen lieber an, als ein Formular auszufüllen.
- Nennen Sie die Orte und Stadtteile, in denen Sie arbeiten, und zeigen Sie Arbeiten aus der Gegend.
- Zeigen Sie Meisterbrief, Innungsmitgliedschaft, Google-Bewertungen und echte Fotos von Baustellen statt Bildern aus einer Fotodatenbank.
- Wer mit nassem Keller auf dem Handy sucht, wartet nicht gern. Prüfen Sie Ihre Seite mit dem Ladezeit-Check oder mit PageSpeed Insights von Google.
- Fürs Formular reichen Name, Telefonnummer und ein Satz zum Anliegen.
Wie eine Webseite für Handwerksbetriebe aussieht, die auf Anrufe und Anfragen gebaut ist, für Anzeigen wie für die normale Suche, zeigt die Seite Webseite für Handwerker.
Wie viel Budget brauchen Handwerker für Google Ads?
Das Monatsbudget ist die Zahl der Anfragen, die Sie brauchen, mal den Kosten je Anfrage. Bei angenommenen 8 Euro je Klick und der Dachdecker-Quote von 3,7 Prozent kostet eine Anfrage rund 216 Euro. Fünf Anfragen im Monat brauchen also gut 1.000 Euro Werbebudget.
Sie legen je Kampagne ein durchschnittliches Tagesbudget fest und zahlen pro Klick. Bei den meisten Kampagnen berechnet Google im Monat höchstens das 30,4-Fache des Tagesbudgets. An einzelnen Tagen kann es bis zum Doppelten ausgeben. Wie Google Klicks abrechnet und wovon der Klickpreis abhängt, steht im Ratgeber zu den Google-Ads-Kosten.
Was das Budget je Gewerk bestimmt
Den Unterschied macht der Auftragswert. Dachdecker zahlen laut LocaliQ im Schnitt 228 Dollar je Anfrage, mehr als das Doppelte des Schnitts aller Handwerks- und Hausdienstleister von 91 Dollar. Bei einem Auftragswert im fünfstelligen Bereich kann sich das trotzdem tragen. Beim Schlüsseldienst oder beim kleinen Sanitäreinsatz reicht dagegen ein hoher Klickpreis, und die Rechnung kippt. Rechnen Sie mit Ihrem typischen Auftrag, nicht mit dem größten.
Modellrechnung für eine Dachsanierung und einen Kleineinsatz
Beide Fälle setzen 1.200 Euro Werbebudget im Monat und angenommene 8 Euro je Klick ein, also 150 Klicks. Bei der Dachsanierung gilt die Anfragequote der Dachdecker von 3,7 Prozent. Das ergibt 5 bis 6 Anfragen. Wird angenommen jede dritte davon ein Auftrag, sind es knapp zwei Aufträge im Monat. Bei angenommenen 12.000 Euro je Dachsanierung stehen rund 22.000 Euro Umsatz 1.200 Euro Werbebudget gegenüber. Wie viel davon Gewinn ist, entscheidet Ihre Marge.
Bei kleinen Aufträgen kippt dieselbe Rechnung, selbst mit der besseren Durchschnittsquote aller Handwerks- und Hausdienstleister von 7,33 Prozent. Eine Anfrage kostet dann rund 110 Euro, ein Auftrag rund 330 Euro. Bei einem Einsatz für 250 Euro ist das mehr, als er einbringt. Mehr Budget löst das nicht, es vergrößert den Verlust.
Setzen Sie in beide Spalten Ihre eigenen Werte für Klickpreis, Anfragequote, Abschlussquote und Auftragswert ein. Lassen Sie die Kampagne von einer Agentur betreuen, kommt deren Monatsgebühr in die Rechnung. Das Werbebudget zahlen Sie in der Regel getrennt davon direkt an Google.
Welche Fehler sollten Handwerker bei Google Ads vermeiden?
Vermeiden Sie vor allem Klicks von außerhalb Ihres Einsatzgebiets, zu allgemeine Suchbegriffe und Anrufe, die niemand zählt. Diese Fehler kosten Geld, ohne dass es auffällt.
- Kein Einsatzgebiet. Ohne Standort-Ausrichtung und mit der Option „Präsenz oder Interesse“ zahlen Sie auch für Klicks von Menschen, die Sie nie beauftragen können. Wie Sie das Gebiet eingrenzen, steht oben im Abschnitt zum Aufbau.
- Zu allgemeine Suchbegriffe. „Handwerker“ allein trifft Jobsuchende, Heimwerker und Kunden aller Gewerke. Buchen Sie die Leistung, nicht den Berufsstand.
- Anfragen nicht zählen. Ohne Conversion-Tracking sehen Sie Klicks, aber nicht, welche Suchbegriffe Anfragen bringen. Im Handwerk kommen viele Anfragen per Telefon, gerade bei Notdiensten. Google Ads kann Anrufe aus der Anzeige und über eine Weiterleitungsnummer auf Ihrer Website zählen. Legen Sie eine Mindestdauer fest, damit kurze Fehlanrufe nicht mitzählen. Die Nummer auf der Website tauscht das Google-Tag nur aus, wenn der Besucher im Cookie-Banner eingewilligt hat (§ 25 TDDDG). Ohne Einwilligung bleibt Ihre normale Nummer stehen, und diese Anrufe fehlen in der Auswertung.
- Einrichten und vergessen. Suchbegriffe, Gebote und Anzeigen brauchen Pflege, in den ersten Wochen am besten wöchentlich. Eine Kampagne, die niemand ansieht, zahlt weiter für unpassende Klicks.
Sind Anzeigen bei Google besser als Zeitungsanzeige und Flyer?
Für Kunden mit akutem Bedarf ja. Suchanzeigen erscheinen bei Menschen, die gerade nach Ihrer Leistung suchen, und von allen gängigen Werbewegen lassen sie sich am genauesten messen.
Wertlos ist klassische Werbung damit nicht. Die Beschriftung am Transporter sehen die Nachbarn jahrelang. Messen und von Woche zu Woche nachsteuern lässt sich aber nur die Suchanzeige.
Was braucht ein Handwerksbetrieb zuerst, Google Ads oder SEO?
Zuerst ein vollständiges Google-Unternehmensprofil und eine Seite, auf der man Sie sofort anrufen kann. Anzeigen kommen dazu, wenn Sie schneller Anfragen brauchen, als die normale Suche sie bringt.
Anzeigen bringen ab dem ersten Tag Klicks und kosten jeden einzelnen. Eine gut gebaute Seite und ein gepflegtes Unternehmensprofil wirken langsamer, kosten aber nicht pro Besucher. Beides greift ineinander. Die Zielseite, die Ihre Anzeige braucht, ist dieselbe Seite, die ohne Anzeige in der normalen Suche gefunden werden soll. Und der Suchbegriffbericht aus Google Ads zeigt Ihnen, mit welchen Worten Kunden nach Ihrer Leistung suchen. Diese Worte gehören auch in die Texte Ihrer Seite.
Erst das Profil, dann die AnzeigeBei Suchen mit Ortsbezug steht neben den Anzeigen oft die Karte mit Unternehmensprofilen. Ein Eintrag dort kostet nichts. Wie Sie Ihr Profil vollständig machen, steht im Ratgeber Google-Unternehmensprofil optimieren.
Lohnt sich Google Ads für Ihren Betrieb?
Je höher Ihr typischer Auftragswert, desto eher trägt sich Google Ads. Ob es bei Ihnen reicht, zeigt eine Rechnung mit vier Zahlen: Klickpreis, Anfragequote, Abschlussquote und Auftragswert.
Rechnen Sie sie vor dem Start durch. Dann beginnen Sie mit einer Leistung und einem kleinen Gebiet, zählen Anrufe und Formulare und bauen nur aus, was sich trägt.