Viele Kanzleien gewinnen neue Mandanten über Empfehlungen. Wer Ihren Namen empfohlen bekommt, kann ihn vor dem Anruf in ein paar Sekunden bei Google nachschlagen. Was er dann auf Ihrer Webseite findet, entscheidet mit darüber, ob er anruft oder den nächsten Namen auf der Liste prüft.
Warum braucht eine Kanzlei eine eigene Webseite?
Eine Kanzlei braucht eine eigene Webseite, weil viele Interessenten sie vor dem ersten Anruf online prüfen, auch nach einer Empfehlung.
Die Auswahl ist groß. Zum 1. Januar 2026 waren in Deutschland 89.549 Steuerberaterinnen und Steuerberater bei den Kammern gemeldet (Berufsstatistik 2025 der Bundessteuerberaterkammer). Wer einen neuen Berater sucht, vergleicht. Wer eine Kanzlei nicht kennt, sieht zuerst, ob die Seite gepflegt wirkt. Erst dann liest er, was Sie anbieten.
Für eine Kanzlei heißt das konkret:
- Eine aufgeräumte, aktuelle Seite zeigt, dass Sie auch Ihre eigenen Unterlagen im Griff haben.
- Auch abends und am Wochenende findet ein Interessent Telefonnummer und Ansprechpartner. Über Formular oder Terminbuchung kann er gleich eine Anfrage stellen, wenn das Telefon nicht besetzt ist.
- Wer auf Ärzte, Immobilien oder Onlinehandel spezialisiert ist, kann das auf der Webseite zeigen. Im Branchenbuch geht das nicht.
Was muss auf eine Steuerberater-Webseite?
Auf eine Kanzlei-Webseite gehören eine Startseite, die sagt, für wen Sie arbeiten, eine Seite je Leistung, belegbare Vertrauenssignale, einfache Kontaktwege mit Terminbuchung, der Link zum Mandantenportal und eine Darstellung, die auf dem Smartphone funktioniert.
1. Sagen Sie auf der Startseite, für wen Sie arbeiten
Schon auf der Startseite muss erkennbar sein, was Ihre Kanzlei von den anderen unterscheidet. Beraten Sie vor allem bestimmte Branchen, etwa Ärzte, Vermieter oder Onlinehändler? Bieten Sie digitale Buchhaltung oder Lohnabrechnung für kleine Betriebe an? Das gehört in die erste Zeile, nicht auf die dritte Unterseite.
Ein Beispiel für eine solche Zeile: „Ihre digitale Steuerkanzlei für Onlinehändler, von der Gründung bis zum Verkauf.“ Der Satz nennt die Zielgruppe und die Arbeitsweise. Ein Interessent weiß sofort, ob er richtig ist.
2. Legen Sie für jede Leistung eine eigene Seite an
Jede Kernleistung bekommt eine Unterseite mit den Details:
- Finanzbuchhaltung
- Lohnbuchhaltung
- Jahresabschluss und Steuererklärung
- Steuerberatung für Gründer
- Unternehmensberatung
- Erbschaft- und Schenkungsteuer
- Internationale Steuerberatung
Jede dieser Seiten beantwortet vier Fragen. Was bieten wir an? Für wen ist das gedacht? Wie läuft die Zusammenarbeit ab? Wonach richtet sich das Honorar? Nebenbei kann jede Seite bei Google für ihren eigenen Suchbegriff gefunden werden, etwa „Lohnbuchhaltung Steuerberater“ plus Ort.
3. Zeigen Sie nur Vertrauenssignale, die Sie belegen können
Mandanten geben Ihnen ihre Finanzdaten. Entsprechend genau schauen sie hin. Diese Signale helfen, wenn sie zutreffen:
- Kammer. Name der zuständigen Steuerberaterkammer, im Impressum ohnehin Pflicht.
- Qualifikationen. Fachberater-Titel, Zertifizierungen, die die Kanzlei tatsächlich besitzt.
- Mitgliedschaften. DATEV, Steuerberaterverband.
- Datenschutz. Verschlüsselte Verbindung (HTTPS), verständliche Datenschutzerklärung, Siegel nur, wenn Sie wirklich eines haben.
- Mandantenstimmen. Nur echte Aussagen und nur, wenn der Mandant zugestimmt hat. Was das Berufsrecht dazu sagt, steht im nächsten Abschnitt.
4. Bieten Sie eine Online-Terminbuchung an
Mit einem Buchungstool sucht sich ein Interessent selbst einen freien Termin, statt in der Warteschleife zu hängen oder auf einen Rückruf zu warten. Calendly, Microsoft Bookings und Buchungsprogramme speziell für Kanzleien lassen sich in die Webseite einbinden. Wird dabei ein Dienst eines Drittanbieters geladen, gehört er in die Datenschutzerklärung und in der Regel in den Cookie-Banner, damit er erst nach Zustimmung lädt.
Legen Sie getrennte Terminarten an, etwa Erstgespräch, Telefontermin, Videoberatung und Termin in der Kanzlei. Dann muss niemand schreiben, um zu fragen, ob ein Videotermin überhaupt geht.
5. Verlinken Sie das Mandantenportal gut sichtbar
Viele Kanzleien tauschen Belege und Auswertungen über ein Portal aus, etwa über DATEV oder ADDISON. Manche bestehenden Mandanten kommen nur deshalb auf Ihre Webseite. Setzen Sie den Login deshalb oben in die Navigation, nicht in die Fußzeile.
6. Stellen Sie das Team mit echten Fotos vor
Mandanten wollen wissen, mit wem sie es zu tun haben. Eine gute Teamseite zeigt:
- echte Porträtfotos
- Qualifikationen und Schwerpunkte jeder Person
- zwei, drei Sätze in eigenen Worten
- direkte Kontaktwege, also E-Mail-Adresse und Durchwahl
Ein kurzes Video, in dem sich die Berater selbst vorstellen, nimmt manchen Interessenten die Scheu vor dem ersten Anruf.
7. Beantworten Sie die häufigsten Fragen vorab
Ein Bereich mit häufigen Fragen entlastet Ihr Sekretariat, weil weniger Standardfragen am Telefon ankommen. Nach denselben Fragen suchen Menschen auch bei Google.
Zum Beispiel diese:
- Was kostet ein Steuerberater?
- Wie wechsle ich den Steuerberater?
- Welche Unterlagen brauche ich für die Steuererklärung?
- Welche Steuerfristen gelten in diesem Jahr?
- Was kann ich als Selbstständiger absetzen?
8. Schreiben Sie Fachbeiträge in verständlicher Sprache
Beiträge zu Gesetzesänderungen, Steuertipps zum Jahresende oder Fragen von Gründern bringen Besucher über die Google-Suche. Sie zeigen außerdem, wie Sie erklären.
Schreiben Sie so, wie Sie es einem Mandanten am Tisch erklären würden. Wer sucht, will wissen, was er tun muss. Paragrafen kann er danach immer noch nachlesen. Welche Themen Ihre Zielgruppe tatsächlich sucht, zeigen Keyword-Werkzeuge und, sobald die Seite läuft, die Suchanfragen in der Google Search Console.
9. Halten Sie die Kontaktseite kurz
Jedes Feld mehr im Formular ist ein Grund, es nicht abzuschicken. Auf die Kontaktseite gehören:
- ein kurzes Formular mit Name, E-Mail und Anliegen, sonst nichts
- eine Telefonnummer, die sich auf dem Handy antippen lässt
- eine Karte mit Ihrem Standort, die erst nach Einwilligung lädt (§ 25 TDDDG)
- Hinweise zu Parkplätzen und Bus oder Bahn
- eine Angabe, wann Sie antworten, etwa „Wir melden uns am nächsten Werktag“
10. Sorgen Sie für eine schnelle Seite, die auf dem Smartphone funktioniert
Etwas mehr als die Hälfte aller Seitenaufrufe in Deutschland kommt vom Smartphone. Statcounter misst für August 2026 50,9 % mobil, 47,4 % Desktop und 1,7 % Tablet. Navigation, Texte und Formular müssen deshalb auf einem kleinen Bildschirm genauso gut funktionieren wie am Schreibtisch.
Auch die Ladezeit zählt. Google misst sie unter anderem mit dem Largest Contentful Paint, also der Zeit, bis der größte sichtbare Inhalt erscheint. Als gut gilt, wenn mindestens 75 % der Seitenaufrufe den größten Inhalt nach höchstens 2,5 Sekunden zeigen. Wie schnell Ihre eigene Seite ist, zeigt der Ladezeit-Check.
