Reicht ein Instagram-Profil statt einer eigenen Website?
Als einziger Auftritt reicht ein Profil selten, weil Konto, Reichweite und Regeln der Plattform gehören und nicht Ihnen.
Viele Gründer fangen mit Instagram, TikTok oder Facebook an, manche bleiben dabei. Das hat gute Gründe. Ein Profil kostet nichts, ist schnell angelegt, und Kunden können direkt schreiben.
Der Nachteil zeigt sich erst, wenn etwas schiefgeht. Wird das Konto gesperrt oder zeigt die Plattform Ihre Beiträge plötzlich kaum noch an, haben Sie keine eigene Adresse, unter der Kunden Sie weiter finden.
Die Plattform kann Ihr Konto sperren und Ihre Beiträge weniger Menschen zeigen, und Ihre Follower können Sie nicht mitnehmen.
Instagram, Facebook und TikTok gehören nicht Ihnen. Die Betreiber können
- Ihr Konto sperren oder einschränken,
- das Empfehlungssystem ändern, sodass Ihre Beiträge plötzlich weniger Menschen sehen,
- neue Regeln einführen, die bestimmte Branchen oder Werbeformen einschränken,
- einen Dienst ganz einstellen, wie es bei Google+ und Vine geschehen ist.
Die Empfehlungssysteme ändern sich regelmäßig, und niemand fragt Sie vorher. Wer sein Geschäft auf einem einzigen Konto aufgebaut hat, kann dagegen wenig tun.
Follower sind keine Kontaktliste
Auch mit 50.000 Followern kennen Sie keine einzige E-Mail-Adresse und keine Telefonnummer. Ob ein Beitrag bei diesen Menschen ankommt, entscheidet das Empfehlungssystem der Plattform.
Eine eigene E-Mail-Liste funktioniert anders. Die Adressen liegen bei Ihnen, Sie schreiben, wann Sie wollen, und kein Betreiber sitzt dazwischen. Für einen Newsletter brauchen Sie grundsätzlich eine Einwilligung, die Sie in der Praxis per Double-Opt-in über ein Formular auf Ihrer Website nachweisen. Ich halte deshalb eine kleine Liste, die Sie selbst anschreiben können, für mehr wert als eine große Followerzahl.
Wer nach „Dachdecker Notdienst Stuttgart“ oder „Steuerberater Ludwigsburg“ sucht, bekommt bei Google eine Liste von Treffern. Ein Instagram-Profil kann darunter sein. Es beantwortet aber selten, was eine Leistungsseite beantwortet: was Sie anbieten, wo Sie arbeiten, was es ungefähr kostet und wie man Sie erreicht.
Das gilt auch für Stellenanzeigen. In der Google-Jobsuche erscheint eine Stelle nur, wenn eine Webseite sie mit strukturierten Daten auszeichnet, also Ihre eigene oder eine Jobbörse. Ein Instagram-Beitrag reicht dafür nicht. Für Personalberatungen, die davon leben, steht mehr unter Webdesign für Personalberatungen.
Wer einen Auftrag vergibt, will eine Website sehen
Wer einen größeren Auftrag vergibt, prüft vorher Impressum, Leistungen und Ansprechpartner. Ohne Website fehlt dafür der naheliegende Ort.
In einer Umfrage von Verisign unter 787 US-Verbrauchern vom September 2015 hielten 84 % ein Unternehmen mit eigener Website für glaubwürdiger als eines, das nur eine Social-Media-Seite hat. Die Zahl ist über zehn Jahre alt und stammt aus den USA. Für Deutschland heute ist sie deshalb nur ein Anhaltspunkt.
Was können Sie tun, wenn Instagram oder Facebook Ihr Konto sperrt?
Sperrt die Plattform Ihr Konto wegen angeblich rechtswidriger Inhalte oder eines Verstoßes gegen ihre Nutzungsbedingungen, muss sie das begründen. Gegen die Entscheidung können Sie mindestens sechs Monate lang kostenlos Beschwerde einlegen. Hilft das nicht, können Sie eine zertifizierte außergerichtliche Streitbeilegungsstelle anrufen. Das regelt der Digital Services Act (DSA). Einen Anspruch auf Wiederherstellung des Kontos gibt er nicht.
Die Rechte gelten für Instagram, Facebook, TikTok und LinkedIn in vollem Umfang, weil die EU-Kommission alle vier als sehr große Online-Plattformen benannt hat. Die Tabelle zeigt, was Ihnen in welcher Lage zusteht.
Die Verfahren zwingen die Plattform, ihre Entscheidung zu begründen und Ihre Beschwerde nicht allein automatisiert zu prüfen. Die Kontakte, Nachrichten und Anfragen bringen sie nicht zurück, solange das Konto gesperrt ist. Eine eigene Website mit Kontaktformular und Telefonnummer bleibt in dieser Zeit erreichbar.
Ich würde außerdem alle paar Monate die Kopie der eigenen Daten herunterladen, die Facebook und Instagram über die Kontenübersicht anbieten, und die wichtigsten Kundenkontakte zusätzlich außerhalb der Plattform ablegen. Ist das Konto erst gesperrt, kommen Sie an diese Daten womöglich nicht mehr heran.
Auf der eigenen Website bestimmen Sie Inhalt, Aufbau und den Weg zur Anfrage selbst, und wer bei Google nach Ihrer Leistung sucht, kann direkt dort landen.
Leistungsbeschreibungen, Preistabellen, Projektbeispiele und häufige Fragen haben auf einer Website Platz. In einem Beitrag oder einer Story funktionieren diese Formate schlecht, weil Länge und Aufbau vorgegeben sind. Eine Leistungsseite darf so lang sein, wie der Kunde für seine Entscheidung braucht.
Gefunden werden bei Google
Eine Website kann über Monate und Jahre Besucher aus der Suche bringen, ohne dass Sie jeden Klick bezahlen. Ein Selbstläufer ist das nicht mehr. Das Pew Research Center hat das Suchverhalten von 900 US-Erwachsenen im März 2025 ausgewertet. Bei Suchen mit KI-Übersicht klickten sie nur bei 8 % auf ein normales Suchergebnis, bei Suchen ohne KI-Übersicht bei 15 %. Auch das spricht dafür, Kunden über mehrere Kanäle zu erreichen.
Aus Besuchern werden Anfragen
Auf der Website legen Sie fest, wie ein Interessent Kontakt aufnimmt: per Formular, per Terminbuchung oder mit einem Tipp auf die Telefonnummer. Auf der Plattform bleibt ihm, was der Betreiber anbietet, etwa die Direktnachricht.
Eigene Auswertung
Mit der Google Search Console sehen Sie, bei welchen Suchbegriffen Ihre Seite erscheint. Ein Analysewerkzeug zeigt, welche Seiten gelesen werden und wo Besucher abspringen. Dafür brauchen Sie in der Regel die Einwilligung der Besucher. Auf einer Plattform sehen Sie nur die Kennzahlen, die der Betreiber Ihnen anzeigt.
Social Media ist stärker im direkten Austausch und erreicht Menschen, die gar nicht nach Ihnen suchen.
Gespräch mit Kunden
Kommentare, Direktnachrichten, Umfragen und Live-Videos schaffen einen Austausch, den eine Website allein kaum bietet. Wer auf eine Frage in den Kommentaren antwortet, beantwortet sie gleich für alle, die mitlesen.
Reichweite ohne Suchanfrage
Ein guter Beitrag kann weit über Ihre Follower hinaus geteilt werden, ohne Werbebudget. Eine Website wird dagegen meist erst gefunden, wenn jemand aktiv sucht.
Sichtbare Zustimmung
Kommentare, geteilte Beiträge und Bewertungen zeigen neuen Interessenten, dass andere Sie kennen. Einzelne Stimmen davon können Sie mit Einverständnis der Verfasser auch auf der Website zeigen.
Wem gehört die Website, wem das Profil?
Die Domain ist auf Sie eingetragen, das Konto ist nur ein Nutzungsrecht. Das ist der größte Unterschied, und die Tabelle zeigt, was daraus folgt.
Die Website ist die feste Adresse, auf die alles zuläuft, und Social Media bringt Menschen dorthin.
Was auf die Website gehört
- alle Leistungen und Produkte mit den wichtigsten Angaben
- Texte, die zu den Suchbegriffen Ihrer Kunden passen
- Kontaktformular, Telefonnummer und, wenn es passt, eine Terminbuchung
- Ratgeberartikel zu Fragen, die Kunden Ihnen immer wieder stellen
- eine Anmeldung zum Newsletter mit Double-Opt-in
- Artikel und Leistungsseiten der Website teilen
- in Stories und Reels zeigen, wie gearbeitet wird
- auf die Website verlinken, über den Link im Profil oder den Link-Sticker in Stories
- mit Anzeigen gezielt Besucher auf eine bestimmte Seite schicken
- aus Followern Newsletter-Abonnenten machen, damit der Kontakt nicht an der Plattform hängt
Ein Beitrag, mehrere Kanäle
So wird aus einem Text Stoff für mehrere Wochen:
- Sie schreiben einen ausführlichen Artikel auf Ihrer Website, etwa „Worauf Sie bei einer Badsanierung achten sollten“.
- Daraus machen Sie mehrere kurze Beiträge für Instagram, LinkedIn und Facebook.
- Zu einem Punkt, der besonders gut ankommt, drehen Sie ein kurzes Video.
- Jeder Beitrag verlinkt auf den vollständigen Artikel.
- Der Artikel kann zusätzlich über Google gefunden werden.
Die Arbeit steckt einmal im Artikel. Die Beiträge sind Auszüge daraus.
Eine Website kostet vor allem einmal beim Aufbau, Social Media kostet vor allem laufend Zeit oder Werbebudget.
- Social Media ohne Anzeigen: kein Geld an die Plattform, aber regelmäßig Arbeitszeit für Beiträge, Antworten und Auswertung. Wer zweimal pro Woche postet und Nachrichten beantwortet, sollte nach meiner Einschätzung mehrere Stunden pro Woche einplanen.
- Social-Media-Anzeigen: Werbebudget, das direkt an die Plattform geht, dazu Zeit für Anzeigen und Auswertung.
- Website: einmalige Kosten für Aufbau und Gestaltung. Bei mir beginnt eine WordPress-Website bei 1.990 €, das Starter-Paket mit bis zu fünf Seiten kostet 2.490 €. Das sind Endpreise, Umsatzsteuer kommt nach § 19 UStG nicht hinzu. Danach fallen laufend Hosting, Domain und Pflege an.
- Suchmaschinenoptimierung: laufende Betreuung oder eigene Zeit, Monat für Monat.
Wer aufhört zu posten, wird auf der Plattform in der Regel weniger gesehen. Eine Website bleibt auch in ruhigen Monaten erreichbar. Wovon der Preis einer Website abhängt, steht in der Übersicht Was kostet eine Webseite?
Womit sollten Sie anfangen?
Fangen Sie mit der Website als fester Adresse an und nehmen Sie den Social-Media-Kanal dazu, auf dem Ihre Kunden tatsächlich unterwegs sind.
Ich baue selbst Websites, unparteiisch ist diese Empfehlung also nicht. Die Gründe dafür stehen oben, und Sie können sie nachprüfen.
Nach meiner Erfahrung bringt ein Kanal, den Sie regelmäßig bespielen, mehr als drei, die nach einem Monat einschlafen. In kleinen Betrieben macht oft eine Person alles, da zählt das doppelt.